25. April 2012

5 mal nachgewürzt

Topfengolatsche ist nicht gleich Topfengolatsche

Wir fühlten uns wieder bereit und motiviert für unsere nächste österreichtypisch-süße Verkostungsrunde – immer blind natürlich. Der 6. Jourdoux wurde eingeläutet und fand am 21. April statt.

Kurz vor Start und noch sehr gespannt auf das Ergebnis (Foto: copyright by www.esskultur.at)

Kurz vor Start und noch sehr gespannt auf das Ergebnis (Foto: copyright by www.esskultur.at)

Diesmal gingen 22 Topfengolatschen ins Rennen und wurden von Frau Esskultur samt ihren Web-und Sängermeister,  queenofsoup, die Weltbeobachterin, Michael Vesely (das erste Mal in unserer Runde) und mir getestet.

Wenn ich an eine Topfengolatsche denke dann…

… erscheint vor meinen Augen ein viereckiges geschlossenes Tascherl, nussig zart, knusrpig gebräunt, aus einem feinen, Germbutterteig (Plunder). Die Topfenfülle, leicht gesüßt mit einem frischen zitronigem Kick, der den Topfen erheitert – es können auch mal ein paar Rosinen vorkommen. Genügend Fülle soll darin zu sehen und zu schmecken sein, aber so, dass sie nicht “gatschig” mundet. Saftig aber gerne. Formal mag ich es sehr, wenn die Golatsche etwas flacher ist, die Ecken etwas offen sodass den Topfen schon rausblitzen sehe. Meine Nase möchte Butter wittern, eine leichte Germnote und den frischen Hauch einer natürlichen Zitrone. Meine Zunge möchte die feine Topfenfülle schmecken – vor allem den Topfen! – die sich mit dem Teig zu einem Ganzen fügt. JA! Gottseidank sind Träume noch erlaubt oder besser noch die Erinnerungen an den guten, reinen Geschmack hartnäckig verankert. JA!

So machten wir uns also auf dem Weg, verstreuten uns quer durch Wien und trugen unsere Topfengolatschen aus folgenden Bäckereien/Konditoreien zusammen:

Gragger, Mann, Gradwohl, Joseph Brot, Ströck, Schrott, Felzl, Rudolph Ölz, Woloszyn/Ullamnn, Schwarze Kameel, Felber,Grimm, Schramml, Anker, Aida, Sluka, Oberlaa, Meinl am Graben, Heiner

Bewertet wurden das Aussehen mit 0-3 Punkten, die Konsistenz mit 0-7 Punkten und der Geruch & Geschmack mit 0-10 Punkten. Frau Esskultur mit ihrem Gespür für Organisation und Listen hat wie immer die Einkaufs- und Verkostungsliste vorbereitet. Die Topfengolatschen wurden gewogen und anonym auf ein numeriertes Blatt plaziert.

Jetzt setzt die Sperre ein!

Noch bevor wir eine einzige verkosteten, war mein Gefühl kein Gutes. Wohl ableitend aus den niederschmetternden Erfahrungen, die wir in den letzten 5 Jourdoux’s machten. Trotzdem keimte ein kleiner Funken Hoffnung, zumal ich mir dachte, ein erfahrener Bäcker oder Konditor könne bei dieser Bäckerei eigentlich doch gar nicht so viel falsch machen.   Sagt sich so einfach.

Was bei dieser Verkostung auf uns zu kam war teilweise ekelerregend und bei gar nicht wenigen konnten wir gar nicht anders als den Bissen, der im Mund harrte verkostet zu werden, in der Sekunde wieder auszuspucken oder aufgrund des Geruchs schon erst gar nicht in den Mund zu nehmen. Ehrlich! Katha äußerte sich dazu treffend: “Jetzt setzt die Sperre ein!”

Aromenbombardement

Zugesetzte Aromen waren bei dieser Verkostung die unangenehmste Plage. Bissig und verletzend für den Geschmack und Geruch. Die Zunge brannte und reagierte mit Pelzigkeit. Wir trafen auf Topfen der bereits hinüber war und eher zum Brechreiz animierte. Schmierige Konsistenzen im Mund, staubtrocken oder “Ja hallo, wo ist der Topfen gebleiben?”. Bei einer sogar das Gefühl, man sitzt mitten in einem Speiseölfass. Beim Riechen kamen Assoziation zu Kuhstall, brotig, Leere, Fadesse und Übersäuerung – harte Arbeit für uns alle.

Mhmmmm

Wie gern hätte ich öfters diesen Ausruf vernommen. Der leider nur ein einziges Mal ertönte, aber dafür aus ganzem Herzen. Befreit von Aromen, sauber, buttrig – einfach fein war diese eine Topfengolatsche. Womit wir zur Siegerehrung kommen:

  1. Felber Mhmmmm! (mit großem Abstand. Wir alle waren sehr überrascht).
  2. Gragger ( Bio! und hatte es als erste Topfengolatsche in der Verkostung schwer und wurde vermutlich zu streng beurteilt)
  3. Woloszyn/Ullmann (Kleine Konditorei hinterm Praterstern,  die immer wieder überdurchschnittlich gut abschneidet)
  4. Mann
  5. Ströck

Die 17 anderen waren unterdurchschnittlich und 13 davon erhielten weniger als 1/3 der Punkte.

Einmal mehr merke ich wie traurig es mich stimmt, wie oft uns künstliche Geschmacklosigkeiten als “guter Geschmack” verkauft wird. Einmal mehr merke ich wie sehr meine Motivation steigt auf den Spuren des guten und reinen Geschmack zu bleiben und zu erkunden.

Lichtblick

Das Schöne an unsereren Jourdoux’s ist, dass sich hier Professionalität mit Freude und Leichtigkeit paart. Verbissenheit hat hier keinen Platz.

Trotz herber Enttäuschungen, die Freude ist groß bei der Kürung der Sieger-Topfengolatsche (Foto:copyright by www.esskultur.at)

Unser aller Leidenschaft rund ums Essen gibt uns Kraft in die nächste Runde zu gehen, wo wir unsere Nasen in die Marillenmarmelade stecken werden. Was wird wohl die Zunge dazu sagen?

Bis dahin, seid gesüßt!

 

Rückblick

Wer nachlesen möchte, hier die Auflistung unserer letzten 5 Jourdoux’s

  1. Das beste Punschkrapferl in Wien
  2. Wien und seine Maroniherzen
  3. Auf die Krapfen, fertig los!
  4. Osterpinze, die heilige Dreifaltigkeit
  5. Wiens bestes Buttercroissant
Nachwürzen »

7. November 2011

3 mal nachgewürzt

Wiens bestes Buttercroissant – Der Test

IMG_4983

Ja, ja das Buttercroissant oder wie man in Wien auch sagt, das Butterkipferl. Heißgeliebt, ob kleines Frühstück oder großes, ob zwischendurch, es darf nicht fehlen! Aber wo in Wien gibt es das wirklich Beste? Wir, das Jourdoux Kernteam – Frau Esskultur, Frau Entegut,  queenofsoup & myself mit Specialguests, Mr. deBosco und unser kleiner Nachwuchs-Feinschmecker, wollten es wissen. Auf diese Verkostung bei unserem 5. Wiener Jourdoux, hab ich mich ganz besonders gefreut und war schon sehr…

Weiterlesen »

17. April 2011

12 mal nachgewürzt

Osterpinze – die heilige Dreifaltigkeit

IMG_2500

Ostern steht vor der Tür. Da darf am österlichen Tisch eine Pinze nicht fehlen. Ein willkommenes Thema für unseren 4. Jourdoux. Wir wollten es wissen: Wo gibt es die beste Pinze Wien’s? Das Jourdoux-Kernteam – Frau Esskultur mit Web- und Sängermeister, Frau Entegut, die Weltbeobachterin & myself – machte sich auf den Weg, kreuz & quer durch Wien. Angepeilt wurden folgende Bäckereien/Konditoreien: Zum Schwarzen Kameel Auer Aida Waldherr Felber Gragger Demel Grimm Gerstner Oberlaa Fercher…

Weiterlesen »

14. März 2011

4 mal nachgewürzt

Auf die Krapfen, fertig, los!

01Faschingskrapfen

Gibt es was schöneres als in der Fastenzeit über die süßen Werte unseres Lebens zu berichten? Ich verführe euch nun in die Welt der Krapfen. Lasset uns sündigen in Gedanken, Worten und Taten. Und wenn schon dann bitte ordentlich! Mein Traum vom idealen Krapfen Kugelige Form, goldene Bräune, eine gleichmäßig helle Bauchbinde, eine feine Staubzuckerschicht wie Pulverschnee obendrauf. Beim Reinbeißen flaumig, kuschelig, feinporig. Der Teig schmeckt zart süß nach unaufdringlicher Germnote und der Höhepunkt ist…

Weiterlesen »

14. Januar 2011

6 mal nachgewürzt

Wien und seine Maroniherzen

IMG_1723

Nach unserem 1. Jourdoux zum Thema Punschkrapferln nahmen wir bei unseren 2. Jourdoux Maroniherzen ins Visier und in den Mund. Auch unsere Ursprungsrunde – Katha, Doris, Elisabeth & myself – hat sich um zwei weitere Damen bereichert. Somit freuten wir uns auf die Bereicherung von Angela und Lena. Auch diesmal wurden die 25! Maroniherzen anonymisiert und mit Nummern versehen die wir aus folgenden Konditoreien, Zuckerlgeschäfte oder Chocolatiers zusammengetragen haben: Sluka, Fruth, Welser, Hussel, Woloszyn, Heindl,…

Weiterlesen »

27. Oktober 2010

11 mal nachgewürzt

Das beste Punschkrapferl in Wien

DSC_7362

Alles begann mit einem Tweet von mir über ein Punschkrapferl, ein urtypisches österreichisches süßes Schmankerl.  Das getweetete Punschkpraferl jedoch entsprach in keiner Weise den Kriterien, die einem Punschkrapferl eigen sind: Ein Würfel oder Zylinder aus Biskuitteig, gefüllt mit einer saftigen Masse aus Kuchenresten, getränkt mit Rum/Punsch, Marmelade, Orangeat, Schokolade (variabel). Überzogen mit einer feinen Schicht rosa Punschglasur. In der richtigen Abstimmung, Konstistenz und verwendeteten Zutaten kann so ein süßes, rosa Ding ein wahrer Traum sein.…

Weiterlesen »