Das beste Punschkrapferl in Wien

Alles begann mit einem Tweet von mir über ein Punschkrapferl, ein urtypisches österreichisches süßes Schmankerl.  Das getweetete Punschkpraferl jedoch entsprach in keiner Weise den Kriterien, die einem Punschkrapferl eigen sind:

Ein Würfel oder Zylinder aus Biskuitteig, gefüllt mit einer saftigen Masse aus Kuchenresten, getränkt mit Rum/Punsch, Marmelade, Orangeat, Schokolade (variabel). Überzogen mit einer feinen Schicht rosa Punschglasur.

In der richtigen Abstimmung, Konstistenz und verwendeteten Zutaten kann so ein süßes, rosa Ding ein wahrer Traum sein. Ein Albtraum jedoch, wenn zu alte Kuchenreste, künstliche Aromen, zuviel Zucker, eine pappige übernässte Masse oder auch alles zu trocken angelegt. Wie man sieht, braucht es für das altmodische Punschkrapferl viel, viel Feingefühl um es richtig hinzubekommen.

Katha hatte darufhin die zündende Idee einer Punschkrapferlverkostung. Doris und ich waren gleich Feuer und Flamme. So berufen wir vergangenen Sonntag den ersten Jourdoux ein.  Auf ins Rennen um das beste Punschkrapfel in Wien!

11 süße Würfel und Zylinder von groß bis klein galt es zu bewerten nach: Größe, Farbe, Optik, Konsistenz, Glasur, Fülle, Geruch, Geschmack, Süße und Gesamteindruck. Katha hat das perfekt strukturiert mit Verkostungslisten. Jedes Krapferl bekam eine Nummer zugeteilt, denn wir wollten uns in keiner Weise von einem Namen einer Konditorei beeinflussen lassen.

Die süßen Geschmascksknopsen wurden ziemlich strapaziert. Aber wir waren sehr disziplniert und hielten bis zum Ende durch.

Doris hat die Eigenschaften der ersten 3  in ihrem Post so treffend formuliert, dass ich sie hier ohne wenn und aber übernehme. Das Resultat:

1. Fercher
Rokokokrapferl, wunderschönes Hellrosa, eckig, sehr hübsch, mit dem Krapferl würd ich gerne ausgehen, so schön ist es herausgeputzt. Trockene dünne Glasur, in der Fülle erkennbare Biskuitstückchen und Orangeat, hell, schmeckt leicht alkoholisch, orangig, einfach perfekt, deshalb wurde es einhellig mit Abstand als No.1 gekürt!

2. Maria Haag, Landstrasser Hauptstraße 44, 1030 Wien
Eckig, schön, rosarot, schöner Glanz der Glasur, fruchtig, erinnert an Biskuitroulade mit Marillenmarmelade, wenig alkoholisch. Feiner Geschmack.

3. Aida
Klassisches Punschkrapferl, schönes Rosa, exakt geschichtet, saftig, schmeckt kuchig, orangig und besser als es aussieht. Gute Glasur.

3. Klement
Cinderellakrapferl, Quietschrosa, bunkert, Glasur glänzt und pickt, Fülle dunkel, bissl alkoholisch, harmonischer und angenehmer Geschmack. Ein gutes Krapferl.

5. Heiner
6. Sluka
7. Demel
8. Gerstner
9. Fruth
9. Nöbauer
11. Ölz (Billa) “PFUI TEIFL!!!!!”
Das grauslichste Gebäck, das ich in letzter Zeit gegessen habe. Sieht ekelhaft aus und schmeckt auch so.

Abschließend noch tausend Dank an meinem Mann, der uns als Ausgleich zur Süße ein herrliches, bodenständiges Erdäpfelgulasch zubereitet hat. Das hat’s echt gebraucht.

Der zweite Jourdoux steht bereits. Am 21. November werden wir Maroniherzen verkosten. Spannend!

11 Comments

Join the discussion and tell us your opinion.

Michael
27. Oktober 2010 at 13:27

Meine Hochachtung. Bei soviel Süssem wär ich überfordert. Der Fercher-Krapfen war aber wirklich ein Schmankerl. Wobei, auf die Pistaziendeko könnte ich verzichten.

Mo
27. Oktober 2010 at 15:23

Soviel rosa Zucker auf so wenig Raum. Den/die/das “Oberlaa” habts vergessen, der hat glaub ich auch ganz gute Punschkrapferln.

Titi Laflora
27. Oktober 2010 at 21:30

Aber nein Mo, haben wir nicht vergessen. ABER Oberlaa hat keine Punschkrapferln sondern nur Punschtorte. Aber die Oberlaaer Maroniherzen …. mhmmmm :)

you can leave your hat on « Beitrag « esskultur.at
27. Oktober 2010 at 23:29

[…] kamen trotzdem zu einem klaren ergebnis (hier in titis worten, hier in doris). auf dem weg dorthin begegneten uns altes fett am gaumen, […]

entegut
28. Oktober 2010 at 00:05

Wunderbarst zusammengefasst. Auch die Fotos dokumentieren herrlich, mit wie viel Ernst und Spaß wir dabei waren!

Oliver
2. November 2010 at 08:18

Super Beitrag! Bin neugierig auf die Maroniherzen und beeindruckt, dass ihr nicht an Akut-Diabetes erkrankt seid :-)

Wien und seine Maroniherzen « Titi Laflora
14. Januar 2011 at 14:14

[…] unserem 1. Jourdoux zum Thema Punschkrapferln nahmen wir bei unseren 2. Jourdoux Maroniherzen in Visier und in den […]

jour doux #3: faschingskrapfen « esszimmer
8. März 2011 at 18:23

[…] nicht nur sehr wissenschaftlich, sondern auch spannend nachzulesen, und zwar hier, hier und hier, und ich hab mich flugs frech beworben, um bei einem allfälligen zweiten termin dabeisein zu […]

Auf die Krapfen, fertig, los! « Titi Laflora
14. März 2011 at 12:20

[…] der Ermittlung des besten Punschkrapferls und Maroniherzerl in Wien, haben wir beim 3. Jourdoux den klassischen Krapfen gefüllt mit […]

Topfengolatsche ist nicht gleich Topfengolatsche « Titi Laflora
25. April 2012 at 00:17

[…] Das beste Punschkrapferl in Wien […]

Sappho
29. April 2013 at 13:56

hilfe!
weder fercher noch klement gibt es noch…
wir (=die menschen, alle) bräuchten einen punschkrapferltest 2.0 … bitte =)

Leave a reply