Was kochst du heute?

Wer kennt sie nicht, die Frage unsere Kinder: “Was kochst du heute?” Der Dachverband Wiener Alternativschulen ist dieser Frage nachgegangen und hat ein Buch, betitelt mit eben dieser Frage herausgegeben. Da unser Sohn die Alternativschule SchülerInnenschule im WUK besucht, wurde ich gebeten einen Artikel über Essen und Kreativität beizusteuern, was mir eine große Freude war.

Und hier mein Beitrag zum Nachlesen:

Mit dem Essen spielt man doch!

Mit dem Essen spielt man nicht! Diesen Satz habe ich sehr oft in meiner Kindheit von meinen Eltern gehört. Wobei ich nie wirklich verstanden habe wieso. Denn was ich damals machte, war das Essen am Teller neu zu arrangieren. Essen und die verschiedenen Konsistenzen und Farben regten meine Fantasie an. So entstanden für mich Mikrowelten mit Geschichten, die ich dann viel lieber verspeiste. Und wie es schmeckte! So viel besser. Die Erbsen wurden eine nach der anderen außen am Tellerrand platziert und bildeten einen dekorativen Rahmen. Das Erdäpfelpüree wurde zu einem Berg, der einen Saucensee in sich barg. Das Fleisch schnitt ich in Streifen baute damit einen Zaun und das Gemüse und der Salat verwandelten sich zu  bunten Blumen und Pflanzen. Dann begann das große Essen und natürlich dauerte das dann auch länger, als es nach elterlichen Maßstäben sollte.

Dieses „Spiel“ macht mir nach wie vor Freude. Gerne beobachte ich Kinder und ermutige sie mit dem Essen zu „spielen“. Mit „Spielen“ meine ich nicht Verschwendung oder Geringschätzung von Lebensmitteln. Ganz im Gegenteil. Die Kinder sollen angeregt werden, sich mit Nahrung genussvoll zu beschäftigen. Dieser spielerische Zugang zu unserer Nahrung macht Kindern riesigen Spaß.

Ein Kind interessiert sich eher für ein Nahrungsmittel, wenn dieses nur richtig präsentiert wird. Und vor allem dann, wenn es merkt, dass kochen und essen zu einem nahrhaften Spiel werden kann.
Es macht viel Sinn mit Kindern auf Märkten und Bauernhöfen zu gehen und von dort Gemüse und Obst mitzunehmen. So sehen sie, woher die Lebensmittel kommen und das Interesse wird gesteigert. Und wenn man Kinder an der Zubereitung von Essen beteiligt, ist das Interesse am „Selbstgekochten“ so gut wie sicher.

Spielen heißt sich einlassen, hingeben, versinken und lernen und erfordert viel Kreativität

Seit einiger Zeit veranstalte ich Foodferiencamps für Kinder. Über das kreative Spiel rund um die Lebensmittel und dem Kochen bekommen sie neue Perspektiven bezogen aufs Essen. Dafür werden alle Sinne eingesetzt: sehen, hören, riechen und schmecken. Die Kinder erforschen ihren eigenen Geschmack und sammeln eigene Vorlieben oder entdecken ganz neue Geschmacksrichtungen. Kochen und essen sollen ein Erlebnis sein.

Auch die Augen essen mit!

Essen wird über Kreativität anders gedacht und mehr gewürdigt. Meine Arbeit besteht darin Erfahrungen zu gestalten, die auf dem Akt des Essens beruhen. Diese neuen Erfahrungen bleiben in Erinnerung. Außergewöhnliche Darbietungsformen und Ästhetik sind wichtiger als man denkt, weil Essen viel mit Psychologie zu tun hat. Bei all meinen Foodprojekten geht es mir darum klar zu machen, dass wir unser Essen wertschätzen und achten sollen sowie um Sensibiliserung und Wahrnehmung.

 

Auch Kinder lieben Fooddesign. Hier geht es nicht nur um banales  Abbilden oder um Oberflächlichkeit. Gutes Fooddesign verlangt Kenntnisse über Konsistenzen und Beschaffenheit der verschiedenen Lebensmittel, um sie in eine neue Form bringen zu können. Foodfotografie schult das Auge und die Fähigkeit der Komposition. Der Focus ist auf Details aber auch auf die Integration des Umfeldes gerichtet, nicht nur am Foto sondern auch beim Anrichten eines Tellers ein wichtiger Faktor. Denn ein liebevoll angerichtet Essen schmeckt einfach noch besser. Das wissen wir doch alle. Da im Normalfall auf einem Tisch gegessen wird, soll auch dieser nicht außer Acht gelassen werden. Of genügt schon ein Blümchen. Aber der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Warum Kochen so toll ist?

Man ist auf niemanden mehr angewiesen, wenn man mal was Leckeres essen will. Und weil es einfach Spaß macht. Ich hab noch kein Kind getroffen, das nicht gerne kocht. Und zwar deshalb, weil das Kochen etwas Spielerisches und Magisches in sich trägt. Trainiert werden beim Kochen außerdem Organisation und Zeitmanagement. Kochen hat ja auch viel mit Projektmanagement zu tun. Das gemeinsame Essen, mit Familie und Freunden, macht am meisten Freude und man bekommt für das zubereitete Essen unmittelbares Feedback. Essen verbindet Menschen und ist sehr emotional und äußerst kommunikativ.

Augen und Ohren auf – Inspiration lauert überall! Guten Appetit.

Titi Laflora, Eatingdesigner

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